Remigius Bunia

Abstract zu »Bewegliches Fragment«

Remigius Bunia: »Bewegliches Fragment. Den zweiten Teil von Robert Musils ›Der Mann ohne Eigenschaften‹ lesen.« In: Matthias Buschmeier / Till Dembeck (Hrsg.), Textbewegungen 1800/1900. Würzburg: Königshausen & Neumann 2006. S. 90–110.

»Im Vordergrund von Remigius Bunias medientheoretisch akzentuierten Ausführungen steht die Frage, wie und aufgrund welcher Textstrukturen sich der zweite, fragmentarische Teil des Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil in der Fassung von 1978 (erstellt von Adolf Frisé) überhaupt lesen läßt. Im Hintergrund aber werden grundlegende systematische Überlegungen angestellt: Bunia prägt zunächst die Begriffe der Lektürebewegung und der textuellen Gravur. Dabei gilt als Gravur das in einen Text eingelassene Programm, das die Lektürebewegung (die im einfachsten Falle schlicht linear ist) steuert. Interessant sind dabei solche Texte, die eine komplexe Gravur aufweisen und damit jenseits ihrer buchstäblich-materiellen Gegebenheit ein vielfältiges Bewegungspotential bergen. Um einen solchen Text handelt es sich bei dem fragmentarischen Nachlaß Musils, den Frisé für seine Ausgabe von 1978 aufbereitet hat. Bunia weist nach, daß Frisé – und sei es unbewußt – den Text gewissermaßen mit einer editorischen Gravur versieht, die ihn im Sinne eines überkommenen Lektüremodells lesbar macht – also im Sinne eines Programms, das Lektürebewegung normiert und modelliert. Es zeigt sich, daß Frisés Edition ein Lektüremodell nutzt, das in der Geschichte des abendländischen Buchs eine einzigartige Bedeutung besitzt – die Bibel.«

Matthias Buschmeier, Till Dembeck: Einführung in die Sektion I des Sammelbandes